Mein Name ist Valentina Wirtitsch und ich bin 17 Jahre alt und mein großes Abenteuer begann am 19. Juli 2019 als ich mich von Wien alleine auf den Weg nach Australien, Perth machte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung was mich erwarten wird was mich nervös, aufgeregt und auch ein wenig traurig machte. An diesem Tag hieß es auf Wiedersehen für ein halbes Jahr – zu allen die ich kannte – zu sagen.

Angekommen in Australien war ich zwar begeistert, aber ehrlicherweise muss ich auch zugeben, war ich im ersten Moment nicht so glücklich. Die Familie wirkte nett und Australien schön, doch zum ersten Mal in meinem Leben so weit von Familie und Freunden getrennt zu sein, war neu für mich. In der Schule, die ich in der ersten Woche besuchte, fühlte ich mich leider nicht wohl und beschloss auch, dass ich dort nicht glücklich werden würde. Da meine Gastmutter jedoch Lehrerin an einer Privatschule war, ermöglichte sie es mir, auf ihre Schule zu wechseln. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe, denn dadurch habe ich Freundinnen fürs Leben gewonnen.

Die erste Woche an der neuen Schule war zwar gut, aber auch schwer. Es ist zu Beginn schwer festzustellen, wer nett zu dir ist, weil du die Austauschschülerin bist, oder wer wirklich an dir als Freund interessiert ist. Aber von dem Zeitpunkt, an dem ich meine Freundesgruppe gefunden hatte, konnte es nicht besser laufen. Wir verabredeten uns fast jedes Wochenende zum Strand, ins Kino oder zum Essen oder verbrachten einfach schöne Abende gemeinsam und redeten viel! Warum ich diese Gruppe von Freunde gewählt habe ist, weil sie mich gegenüber neuen Leuten oder ihrer Familie immer als neue Freundin und nicht als die Austauschschülerin vorgestellt haben.

Valentina in Australien

Die Schule an sich war für mich natürlich auch total anders. Ich musste mir 6 Fächer auswählen. Ich wählte English, Mathematik, Human biology, Visual Arts, Hospitallity und Outdoor Recreation. Zum ersten Mal ging ich wirklich gerne in die Schule, da mich meine Fächer auch interessierten. In Arts war ich zuerst total überfordert, da ich normal nicht wirklich kreativ bin, doch durch diesen Unterricht fand ich eine neue Leidenschaft und war zum Schluss sogar von mir selbst begeistert, da ich wirklich schöne Bilder malte, das hätte ich mir vorher nie zugetraut. Mit meiner Kochlehrerin Mrs. Green hatte ich eine ganz besondere Beziehung aufgebaut. Sie war für mich eine der wichtigsten Ansprechpersonen in der Schule.

Meine Gastfamilie war nett, aber ich musste mich daran gewöhnen, dass sie von Grund auf komplett anders als meine Familie in Österreich war. Ich lebte mit meiner Gastmutter, die alleinerziehend war, ihren 10 Jahre alten Sohn und ihren 27 Jahre alten Sohn zusammen. Die Umstellung für mich von einer 20-Jährigen Schwester, die ich in Österreich habe zu zwei Brüdern, wobei einer von ihnen noch ein kleines Kind war, war nicht leicht. Im Großen und Ganzen hatten wir gute Tage und schlechtere Tage. Zu Beginn machten wir auch viele Ausflüge zusammen, doch was mich ein wenig störte war, dass meine Familie nicht unbedingt spannend und aufgeweckt war. Unter der Woche war es immer dasselbe, meine Gastmutter verbrachte nach der Schule den restlichen Tag nur noch am Computer und mein Gastbruder spielte während seiner Freizeit ständig ein Playstation Spiel. Aber da ich ein sehr positiver Mensch bin und immer versuche, das Meiste aus einer Situation herauszuholen bzw das Beste daraus zu machen, ging ich entweder alleine trainieren in ein Fitnessstudio, in dem ich mich anmeldete, oder ging spazieren und die Gegend auskundschaften. Ich unternahm zwar am Wochenende immer etwas mit Freunden, denn viel Unterhaltung war zuhause leider nicht zu bieten. Ich bin nicht undankbar für meine Familie, auf keinen Fall, meine Gastmutter erlaubte mir sehr viel -vom Besuch vom Fitnessstudio bis zum Übernachten bei Freundinnen. Wir hatten auch immer wieder lustige Unterhaltungen, aber oftmals kam es mir halt leider vor, als würde ich immer nett sein, aber selten was dafür zurückbekommen.

In den Ferien hatte ich dann sogar die Möglichkeit eine Woche nach Sydney zu fliegen, wo ich bei Verwandten von mir übernachtete, die auch nur Englisch beherrschten. Meine Gastfamilie zeigte mir auch Albany für eine Woche, was eine kleine Country Stadt im Süden ist.

Meine letzten zwei Wochen waren natürlich auch verrückter und stressiger als je zuvor. Ich unternahm jeden Tag etwas entweder mit Gastfamilie oder Freunden. In meiner letzten Woche machte ich auch einen Tagesausflug nach Rottnest Island, was für mich der schönste Ort in Australien war, den ich in diesem halben Jahr gesehen hatte.

Es war schwer auf Wiedersehen zu sagen. Ich stand da in meiner letzten Woche mit meinen Freundinnen und wir konnten uns alle nicht vorstellen, dass ein halbes Jahr so schnell vorbeiging. Man begreift nicht, dass man geht, bevor man nicht wirklich im Flugzeug sitzt.

Valentina in Australien

Dieses halbe Jahr hat mir mit meinen Englischkenntnissen sehr geholfen und mir auch viele Türen geöffnet. Aber noch mehr hat es meine Persönlichkeit und die Weise, die Dinge zu sehen, verändert. Ich kann mit schweren Situationen besser umgehen und gehe auf fremde Leute viel offener zu. Ich wurde auch viel Selbstständiger. Ich würde dieses halbe Jahr nie rückgängig machen wollen, denn es hat meinen Charakter geformt. Hoffentlich habe ich so bald wie möglich, wieder die Möglichkeit Australien zu besuchen. Ich habe jetzt zwei verschiedene Leben auf zwei weit voneinander entfernten Orten auf der Welt. Australien wird immer ein Teil von mir bleiben.