Hallo, mein Name ist Marlies und ich bin 16 Jahre alt. Vor heute genau 13 Monaten habe ich mich auf eine unglaubliche Reise begeben, ein Austauschjahr in Costa Rica. Obwohl ich jetzt schon fast drei Monate wieder in Österreich bin, fühlt es sich noch immer so an, als wäre ich erst gestern zurückgekommen. Ich kann mich auch noch genau erinnern, wie aufgeregt und nervös ich am ersten Tag in Costa Rica war. Ich hatte meine Gastfamilie nur eine Woche vor dem Abflug bekommen und wusste deshalb nicht genau, was ich erwarten sollte. Bei unserem ersten Treffen wurde ich gleich sehr lieb von meinen beiden etwas jüngeren Gastgeschwistern und meinen Gasteltern empfangen.

Nur vier Tage danach hatte ich auch schon meinen ersten Schultag. Dort war es wegen der Sprachbarriere zwar etwas schwieriger, aber bereits in der ersten Pause kamen ein paar Englisch sprechende Kinder auf mich zu. Sie haben mich von da an auch für den Rest meines Jahres und darüber hinaus als Freunde begleitet.

Generell waren die Menschen in Costa Rica sehr offen. Ich tat mir sowohl in der Schule als auch bei anderen Freizeitaktivitäten, wie Chor oder Volleyball, nie besonders schwer, Anschluss zu finden.

Da die Sommerferien in Costa Rica im Dezember und Jänner sind, hatte ich mitten in meinem Auslandsschuljahr auch eine „Graduación“, den Abschluss der Schulpflicht.

Nach einiger Zeit stellte sich leider heraus, dass ich und meine Gastfamilie sehr viele Verschiedenheiten hatten. Da sie auch immer viel zu tun hatten, verbrachten wir sehr wenig Zeit miteinander und ich schaffte es nie wirklich, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Das Wechseln der Gastfamilie war für mich ein sehr langer und schwieriger Prozess. Hier bin ich besonders dankbar für meine Freundinnen von AFS, die mich immer weiter angetrieben und auch sehr dabei unterstützt haben.

Eine lange Zeit gab es gar keine Familien in der Nähe. Als ich dann endlich die Möglichkeit hatte, war ich im 7. Monat schon ziemlich spät dran, was mich an meiner Entscheidung zweifeln ließ. Ende des 7. Monat schaffte ich es dann endlich und wurde von meiner neuen Gastmutter abgeholt.
Schon am ersten Tag durfte ich bei der Geburtstagsfeier meines Onkels die ganze Familie kennenlernen. Mir war sofort klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Bereits nach einer Woche fühlte ich mich dort wie zuhause. In meiner zweiten Gastfamilie hatte ich eine ältere Schwester, eine Mutter und lebte auch mit meiner Oma und Abby, unserer Hündin, zusammen.

Obwohl ich insgesamt nur drei Monate dort war, konnte ich eine sehr starke Verbindung zu ihnen aufbauen. Ich habe das Gefühl, nun wirklich eine zweite Familie in Costa Rica gefunden zu haben. Die letzten drei Monate vergingen viel zu schnell. Kaum hatten die Sommerferien aufgehört, war mein Austauschjahr in Costa Rica auch schon wieder vorüber. An meinem letzten Schultag im „San Ambrosio de Nicoya“ überraschten mich meine Klassenkameraden mit Pizza und einem Kuchen, was es für mich zu einem wunderschönen und unglaublich traurigen Tag zugleich machte. Eine Woche später war es dann so weit. Ich traf mich zum letzten Mal mit meinen Freunden und musste auch von meiner Gastfamilie Abschied nehmen, was uns allen sehr sehr schwer fiel.

Auch wenn es nicht immer leicht war, bin ich unendlich dankbar für die Erfahrungen, die ich in Costa Rica machen durfte, die Menschen, die ich kennenlernen konnte und die neuen Freunde und die Familie, die ich dort gefunden habe.

Schülerin Marlies war im Schuljahr 2024/25 in Costa Rica und wurde dafür mit einem Teilstipendium von der AFS Stipendienstiftung unterstützt.

