Mein AFS Austauschjahr

 

Sophias erster Bericht:

Sophia in den USA - Gastfamilie

Als ich mich schlussendlich von meinen Eltern und Freunden verabschiedet habe, meinen Rucksack mit all den Abschiedsgeschenken fertig hatte und ich mich umgedreht habe um zum Terminal zu gehen, habe ich gezittert wie noch nie. Ich habe mir die letzte Träne weggewischt und bin durch den Ticket-Check gegangen. Ich habe nicht realisiert was gerade passiert. Es hat sich angefühlt als würde ich all die Leute, die mich gerade zum Flughafen begleitet haben und die ich weinend umarmt habe, morgen wiedersehen.

 

Ich habe mir schon vor Monaten mit einer Freundin aus Tirol, die ich auf dem letzten AfsVorbereitungscamp kennengelernt habe, ausgemacht, dass wir im Flugzeug zusammensitzen, also hab ich ihr gleich geschrieben und nach ihr Ausschau gehalten, ich bin alleine herumgelaufen. Ich bin mir sicher, dass ich super komisch ausgesehen habe, in meinem gelben Afs Tshirt mit einer Kuh am Rücken, mit verweinten Augen und auf der Suche nach meiner Freundin. Ich bin froh, dass die Afs- Österrech Shirts so eine auffällige Farbe haben, denn ich hab gleich zwei andere Mädchen von Afs gefunden. Nach einiger Zeit habe ich dann auch meine Freundin und noch viele, viele andere Afs Schüler getroffen. Und dann war es so weit, Boarding. Wir sind ins Flugzeug gegangen, haben unsere Plätze gesucht und uns hingesetzt. Es hat nicht mehr lange gedauert bis wir in der Luft waren. Es gab kein Zurück mehr. Ich denke, dass ich erleichtert war. Ich hab im Flugzeug gleich meinen ersten Tagebuch Eintrag geschrieben. Ich hab geschrieben wie sehr ich meine Freunde und Familie jetzt schon vermisse, was ich im Nachhinein fast lustig finde. Natürlich vermisst man seine Freunde und Familie, aber es passiert so viel auf einmal, dass man gar keine Zeit hat irgendjemanden zu vermissen. Und wenn ich jetzt an meinen Rückflug denke, geht es mir genauso, wie bei meinem Hinflug, was mich glücklich macht, weil es einfach nur bedeutet, dass es all diese Gefühle wert war.

Ich bin in der Mitte der Sommerferien gekommen, deshalb hatte ich das erste Monat sehr viel Zeit um mir New Jersey und andere Staaten an der Ostküste etwas anzusehen. Ich hab auch meine erweiterte Gastfamilie kennengelernt, mit denen wir auch an den Strand gefahren sind. The famous Jersey shore. Ich hab mich sofort verliebt. Die wunderschönen Boardwalks, die aussehen, wie aus einem Film und dann der unendliche Ozean. Atemberaubend.

AFS in den USA: Jersey Shore

Noch in den Sommerferien hat das Fußballtraining begonnen. Ich hab dort gleich einige Mädchen aus meiner neuen Schule kennengelernt.

Der erste Monat war sehr einfach, ich hatte kein Heimweh, da alles viel zu aufregend war. Dann hat die Schule auch schon begonnen. Ich denke, dass Schule mein erster richtiger Kulturschock war. Schule ist sehr einfach hier. Das hat mich natürlich gefreut. Was anfangs sehr ungewöhnlich war, ist, dass sich Leute kaum nach der Schule treffen. Die meisten Leute haben Training nach der Schule und wenn nicht, ist man sehr auf ein Auto angewiesen. Ich hatte sehr gute Freunde auf meiner alten Schule (ich hab Schule und Gastfamilie gewechselt, aber dazu komme ich später noch), die alle schon alt genug waren um Auto zu fahren. Mittlerweile, nach fünf Monaten in den USA, habe ich mich schon fast ganz daran gewöhnt. Manchmal kann das ganz schön nervig sein, jedoch ist es nur halb so schlimm, wenn man beginnt sich daran zu gewöhnen.

AFS in den USA: AFS Beachparty

Nach genau einem Monat hatten wir die Afs Beachparty, auf der wir alle anderen Afser in New Jersey kennengelernt haben. Das war ein wirklich tolles Event, wo ich auch meine besten Freunde kennengelernt habe.   Wir haben uns gleich ausgemacht, dass wir uns bald wiedersehen, was wir dann auch gemacht haben. Wir haben uns in Princeton getroffen, weil dort zwei von uns vier wohnen. Seitdem haben wir uns ca. einmal pro Monat in Princeton getroffen. Es ist eine wunderschöne Stadt mit einer unglaublich schönen Universität. Es fühlt sich so an, als würde ich diese drei schon ewig kennen und bei dem Gedanken, dass ich irgendwann `Goodbye` sagen muss, kommen mir die Tränen.

 

Als Austauschschüler ist es glaube ich, dass beste zu hören, dass es anderen genauso geht wie dir, dass es nicht an dir liegt, dass du dich manchmal einsam fühlst und dass es für jeden Ups und Downs gibt. Nach einer Zeit wird man auch immer enger mit seinen Freunden an der Schule und man entwickelt eine Vertrauensbeziehung, was ich denke, sehr wichtig ist, da sie quasi auf ´der anderen Seite´ sind und dir ein bisschen mehr Einblick in die Psyche von amerikanischen Teenagern geben können.

Schüleraustausch USA: Homecoming week

In der Homecoming oder Spirit Week verkleidet man sich jeden Tag bzw. jeder Tag hat ein anderes Thema und am Wochenende darauf ist Homecoming. Mein Lieblingstag war Throwback-Thursday. Ich habe mich als Hippie verkleidet. Ein anderer Tag war der School-Spirit Tag an dem man in den Schulfarben in die Schule kommt. Unsere Schulfarben waren Rot und Weiß. Was das Ganze noch besser gemacht hat, ist, dass ich normalerweise ein Schuluniform tragen musste, aber diese Woche konnten wir tragen, was wir wollten. Auf meiner neuen Schule habe ich keine Schuluniform und ich muss sagen, dass ich es etwas vermisse, mich nicht darum kümmern zu müssen, was ich trage. Und noch dazu war meine Schuluniform eigentlich ziemlich hübsch.

Ich habe Mitte November Familie gewechselt. Mein Liasion (ein/e Betreuer/in der/die freiwillig für Afs tätig ist) hat mich für zwei Wochen bei sich aufgenommen, bis ich dann zu ihren Nachbarn gezogen bin, wo ich jetzt lebe. Ich habe auch Schule gewechselt und ich fühle mich hier sehr wohl. Ich fühle mich noch etwas neu, da wir seitdem sehr viele Ferien hatten, aber ich mache beim Musical  mit wodurch ich viele Leute kennengelernt habe und auch im Basketball Training habe ich die Chance meine Freunde jeden Tag zu sehen. All die neuen Leute und Sachen, die man auf einmal erlebt, lassen einen nicht wirklich platz um seine Freunde und Familie zu vermissen. Ich habe hier die unglaublichsten Menschen kennengelernt und hätte ich meine Freunde um mich herum, würde ich mich nie auf all diese Dinge und besonders Menschen einlassen. Es ist manchmal schwer, aber man bekommt das alles zurück.

Schüleraustausch USA: AFS Kollegen

Man lernt die kleinsten Gesten zu schätzen und lässt einige seiner Vorurteile, die man leider hat, hinter sich. Ich schätze sowohl meine Freunde hier, als auch meine Freunde in Wien so viel mehr. Man entwickelt nach einer Zeit auch eine ganz neue Komfortzone, man kommt viel mehr aus sich raus. Es ist einfach unglaublich, wie sehr man sich verändert und das sogar beobachten kann. Ich denke, dass ich mich seit ich hier bin sehr viel verändert habe. Ich habe sehr neue Weltansichten, ich fühle mich offener, als hätte mir jemand die Augen geöffnet. Ich würde sagen, dass ein Austauschjahr keinen Falls einfach ist, aber wow, das ist es auf jeden Fall wert.

Schüleraustausch USA: Times square

Sophias Zwischenbericht:

Sup y’all! Ich lebe jetzt schon seit fast 8 Monaten in den USA und es waren die aufregendsten Monate meines Lebens.

Ich bin hier ganz alleine her gekommen, 15 Jahre jung und aus einer Großstadt, in ein kleines Dörfchen in New Jersey. Meine anfängliche Angst, dass ich nichts zu tun haben werde, ist schnell vergessen. Der erste Monat ist super aufregend; alles und jeder den du triffst ist neu und interessant. Es dauerte nicht lange bis die Schule begonnen hat und die anfängliche Nervosität und Aufregung, die nie ganz weggegangen ist, kommen zurück. Es ist anfangs komisch von einer Klasse zur anderen zu gehen und verschiedene Kinder in jeder Klasse zu haben, aber dadurch trifft man viel mehr verschiedene Leute. Auch durch Sport, für mich Fußball, habe ich einige Leute getroffen. Durch jede einzelne Person lernt man unzählige neue lernen und es ist eine unglaublich aufregende und tolle Kettenreaktion, die nie wirklich aufhört. Ich habe mittlerweile einen sehr engen Freundeskreis, mit denen ich so viele tolle Erinnerungen habe. Wir sind an den Strand gefahren um 4 Uhr in der Früh um uns den Sonnenaufgang anzuschauen oder nach Philadelphia um uns das Hippie-Viertel anzusehen. Es ist so faszinierend, wie ich diese Menschen vor nicht ganz einem Jahr gar nicht kannte. Natürlich macht es mich traurig zurück nach Wien zu gehen und ‚tschüss‘ zu allen meinen Freunden hier zu sagen, aber die letzten paar Monate werden wir noch so viel tolle Dinge erleben, wir werden nach NYC gehen, in den Freizeitpark mit der zweit höchsten Achterbahn der Welt und wir werden abends Filme schauen und einfach Zeit zusammen verbringen. Jeder Moment mit diesen Menschen ist Gold wert und wird es immer bleiben. Ich werde mich immer erinnern an diese tollen Menschen, die mir eine ganz neue Welt gezeigt haben, die mir geholfen haben, meinen Horizont zu erweitern und mich selbst neu zu finden. Ich bin eine komplett andere Person und ich würde mein Austauschjahr für nichts und niemanden eintauschen. Es war bisher das beste Jahr meines Lebens und ich werde nie im meinem Leben so froh über etwas zu seien, wie diese Entscheidung getroffen zu haben!

Ich möchte mich auch bei AFS selbst bedanken, die mir diese unglaubliche Chance ermöglicht haben und mir geholfen haben, mich zu dem Menschen zu machen, der ich jetzt bin. Vielen, vielen Dank!!

Sophias letzter Bericht:

Ich bin jetzt mittlerweile seid fast einem Monat wieder zurück in Wien. Ich habe schon einen Freund, der auch ein Austauschschüler in New Jersey war, in der Schweiz besucht und diese Woche besuche ich zwei andere Austauschschüler, ein Mädchen aus Deutschland und einen Burschen aus Salzburg. Nächstes Monat besuche ich eine Freundin in Hamburg und eine Freundin in Kopenhagen und im Herbst fahren einige meiner Austauschfreunde und ich zusammen nach Amsterdam. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden.

Als ich mich dazu entschlossen habe, dass ich ein Austausch Jahr machen möchte, habe ich mir ein komplett anderes Erlebnis erwartet. Am wenigsten hätte ich erwartet, dass ich mit anderen Austauschschuler in Kontakt sein würde, noch weniger nachdem mein Austausch vorbei ist, aber nach nur einem Monat zurück zu Hause werde ich schon drei von ihnen wieder gesehen haben.

Die anderen Austauschschüler sind einfach unglaublich unterstützend und hilfreich, bei den Problemen, die ich hatte.  Sie sind immer für einen da und es ist einfach das beste Gefühl nicht alleine dazustehen, wenn man ein Problem hat. Geteiltes Leid, ist halbes Leid.  Ebenso die Freiwilligen von Afs. Ohne das Afs New Jersey Team wäre dieses Austauschjahr so anders gelaufen und ich bin mir sicher, dass ich durch ihre Unterstützung das beste aus diesem Jahr holen konnte, ich bin so unglaublich dankbar für diese Gruppe an Menschen!

Da ich im Laufe des Schuljahres Gastfamilie und Schule gewechselt habe, hatte ich sozusagen zwei verschiede Austauschjahre in einem verpackt. Ich hab zwei ganz andere Welten erlebt und so viele tolle und verschiedene Menschen kennengelernt. Trotzdem hat es mich quasi ein bisschen zurückgeworfen, da ich wieder von vorne starten musste. Die Schule ging eingentlich relativ gut und schnell, da ich dem Basketball Team beigetreten bin, jedoch war es für mich anfangs sehr belastend, dass ich mich nochmals an eine neue Familie und deren Routine gewöhnen musste, außerdem war es auch um die Weihnachtszeit herum, was mich natürlich traurig gemacht hat. Aber ziemlich bald danach ging alles sehr, sehr schnell bergauf. Vor allem der Frühling war für mich unglaublich toll! Ich hab sehr viel Zeit mit meinen amerikanischen Freunden verbracht und hatte auch noch Zeit für meine Austauschschüler Freunde und meine Familie. Ich hab so viele tolle Sachen erlebt und das amerikanische Leben richtig genossen.

Diese unglaublich tolle Zeit hat es natürlich umso schwieriger gemacht mich zu verabschieden, als es so schon gewesen wäre. In meiner letzten Woche habe ich mich schon von einigen meiner engsten Freunde verabschieden müssen, weil sie auf Urlaub gefahren sind, aber zum Glück konnte ich meine zwei besten Freunde an meinem letzten Tag in Haddon Township, meinem Town, noch einmal sehen. Wir haben uns nur in die Wiese gesetzt und gelacht und geweint und es war ein unglaublich schöner Abschied.

Dann gings auf zum Afs Treffpunkt in Mittel New Jersey, wo wir uns von unsern Familien verabschieden mussten. Da es schon recht spät war ist meine Familie nicht so lange geblieben, aber wir haben uns noch lange genug verabschieden können und es sind auch schon wieder die Tränen geflossen. Im Laufe des Jahres bin ich auch mit der Gastmutter eines Freundes sehr eng geworden und als es Zeit war, sich von ihr und dem Gastbruder zu verabschieden, habe ich noch einmal richtig angefangen zu weinen.

Weiter gings zu einem College und dann knapp 24 Stunden später zum Flughafen. Ich habe von ca 2 Uhr am Nachmittag bis um 6 nicht aufgehört zu weinen. Es ist mir noch nie etwas so schwer gefallen, wie von meinem Austauschschüler Freunden Abschied zu nehmen.

Das nächste mal habe ich geweint als ich in Wien angekommen bin. Genau als des Flugzeug gelandet ist. Es war einfach ein so emotionaler Moment. Das wars. Es war vorbei. Ich war kein Austauschschuler mehr. Es ist ein unglaublich komisches Gefühl. Aber in dem Moment, als ich meine Mutter gesehen hab, war all mein Kummer verschwunden. Es war, als wäre ich nie weggewesen und ich war einfach nur so glücklich, sie endlich wieder umarmen zu können.

Ich hab sehr viel Zeit mit meinen Freunden verbracht seitdem ich zurück bin und es hat sich eigentlich kaum etwas verändert, was sich manchmal etwas komisch anfühlt, ein bisschen falsch, aber es wird von Zeit zu Zeit besser. Ich fühle mich einfach so, als würde so viel in meinem Kopf passieren und ich will jedem von meinem unglaublichen Erlebnis erzählen, aber ich nerve meine Freunde nur damit und ich fühle mich so, als würde mir die Welt offen stehen. Ich versteh den Begriff Fernweh so viel besser und es ist kein schlechtes Gefühl, es ist ein unglaublich tolles und befreinendes Gefühl.

Dank Afs konnte ich meinen Horizont erweitern, das Jahr meines Lebens haben und Freunde fürs Leben finden, vielen, vielen Dank!

Ebenso möchte ich meinen Dank an das Kuratorium der Stipendienstiftung aussprechen, ohne denen dieses Jahr nicht möglich gewesen wäre, dankeschön!

Sophias letzter Bericht aus den USA
Meine besten Freunde und ich in Boston, Massachusetts
Sophias letzter Bericht aus den USA
Eine Freundin und ich im Central Park, NYC
Sophias letzter Bericht aus den USA
Prom
Sophias letzter Bericht aus den USA
Meine Austauschschüler Freunde und ich vor der NYC Skyline
Sophias letzter Bericht aus den USA
Alle Austauschschüler in New Jersey
Sophias letzter Bericht aus den USA
Eine Freundin und ich beim Sonnenaufgang in Cape May

Ein paar meiner amerikanischen Freunde und ich am berühmten Jersey Shore am Wochenende nach Prom, Promweekend.

Sophias letzter Bericht aus den USA
Meine zwei Austauschschüler Freunde aus Norwegen
Sophias letzter Bericht aus den USA
Mein Basketball Team